5.4.2008 in Weimar

Geschrieben von matas am 7. April 2008 | Abgelegt unter -

Der vergangene Samstag dürfte bei vielen schon seit längerer Zeit rot (bzw. braun) im Kalender markiert gewesen sein. Die NPD hatte für diesen Tag eine Kundgebung mit begleitender Demo angesetzt.

Nachdem es am 8.3.2008 einen Überfall auf die Gerber gegeben hatte, lagen die Nerven bei vielen natürlich einigermaßen blank.

Nach einiger Überlegung, ob man an diesem Tag (vor allem mit Kind) überhaupt in die Stadt gehen sollte siegte am Ende dann doch die Überzeugung, dass durch Wegsehen und Zuhausebleiben niemandem geholfen ist.

Also Kind geschnappt und erstmal in Richtung Spielplatz gelaufen. Eigentlich trifft man zu der Zeit (gg. 10Uhr) dort immer jemanden an. Fehlanzeige. Keiner da. Auch die Kleine hatte irgendwie keinen Spaß dran. Alleine mit Papa spielen geht ja schließlich auch zuhause.

Nächste Station: Theaterplatz. Hier gabs zu der Zeit eine öffentliche Stadtratssitzung. Irgendwie auch nicht das richtige für ein zweijähriges Kind, auch wenn ich mir die Veranstaltung gerne angesehen hätte.

Also gings erstmal weiter zum nächsten Spielplatz. Auch keiner da… Nächstes Ziel: Weimarhalle. Dort gabs einen Ärztekongress und auf dem Vorplatz allerlei Stände von THW, Rotem Kreuz und ADAC. Krankenwagen, THW-Fahrzeuge und ein Rettungshubschrauber sorgten wenigstens beim Kind für etwas Abwechslung.

Von der Weimarhalle aus kann man prima in den angrenzenden Park schauen und da Kind den schon kannte, wollte die Kleine dann unbedingt Entchen füttern gehen. Also erstmal Parkrunde. Ein kurzer Blick auf die Uhr signalisierte dann: Heimweg antreten! Mittagszeit!

Ecke Schwanseestraße/Goetheplatz gabs dann die (für mich) einzige brenzlige Situation an dem Tag. Etwa 100-150 Leute hatten sitzenderweise die Schwanseestraße blockiert. Ich wollte gerade versuchen, mich durchzumogeln, als von der anderen Seite die Polizei anrückte. Vollschutz. Grimmige Gesichter. Hmm. Sah so aus, als wollten die gleich räumen. Darauf hatte ich dann mit Kind auf den Schultern irgendwie grad gar keine Lust. Also Umweg. Im Gehen hörte ich noch einen älteren Mann, der wegen der Blockade aus dem Bus aussteigen und die 50m zum Goetheplatz zu Fuß gehen mußte: “Für die könnte man mal die Arbeitslager wieder einführen. Wäre genau das richtige”. In dem Moment hätte ich mir irgendwie gewünscht, einen Flyer für die NPD-Veranstaltung in der Hand zu haben. Wäre sicherlich eine prima Nachmittagsbeschäftigung für den Herrn gewesen. Naja, ich hab mir dann jegliche Kommentare verkniffen.

Zu Hause angekommen war dann erstmal Mittagsschlaf für die Kleine angesagt, so dass wir die “heiße” Phase nicht mitbekommen haben. Anscheinend ist es aber durch diverse Sitzblockaden gelungen, den Weg der NPD-Demo zu verkürzen und somit den Goetheplatz zu “halten”.

Fazit: Weimars Bürger haben geschlossen gezeigt, dass die NPD in der Innenstadt (und eigentlich in der ganzen Stadt) nicht erwünscht ist. Die Aktionen, die ich mitbekommen habe liefen allesamt gewaltfrei ab, so dass man sich auch an diesem Tag in der Stadt nicht unwohl fühlen mußte. Demokratischer Protest, der funktioniert hat!

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